26.11.2017 17:26

Digitale Medien: Arbeitnehmer fühlen keinen Stress - wirklich?

Arbeitnehmer fühlen sich nicht durch digitale Medien gestresst. Das sagen nun zumindest 600 Berufstätige, die in einer von der Publikation ManagerSeminare veröffentlichten Studie befragt wurden. Die Studie wurde von der Marktforschungsgesellschaft Lünendonk & Hossenfelder GmbH, Mindelheim, gemeinsam mit der als "Dr. Stress" bekannten Ärztin und Unternehmensberaterin Sabine Schonert-Hirz in Auftrag gegeben wurde (Quelle: Lünendonk/Dr.-Stress-Studie 2017: Digitaler Stress im Arbeitsleben. N = 596 Berufstätige).

Weiter heißt es, dass die User eher den Nutzen digitaler Medien sehen und dass diese besonders das  Internet, Smartphone und E-Mail als besonders nützlich empfinden. In Zahlen ausgedrückt: 50 Prozent gaben an, sich kaum bis gar nicht gestresst zu fühlen. Smartphones und E-Mails stressen dabei laut den Aussagen noch weniger: 53 bzw. 58 Prozent erklärten, dadurch niemals gestresst zu sein. Und auch dem Internet sowie Tablets begegnen 62 bzw. 68 Prozent quasi tiefenentspannt. 

Ich beurteile diese Ergebnisse eher kritisch, da sie sich weder mit meiner eigenen Erfahrung als leitender Angestellter in einem Unternehmen decken, in dem es bei ca. 200 bis 300 neuen E-Mails am Tag die interne Richtlinie gab, auf alle E-Mails möglichst innerhalb von 24 Stunden zu reagieren. In einer globalisierten und umfassend vernetzten Arbeitswelt stellen die unterschiedlichen Zeitzonen einen weiteren Einflußfaktor dar. 

Noch decken sich die Angaben mit den Schilderungen meiner Klienten, die sich zunehmend durch die übermäßige Nutzung von elektronischen Medien belastet fühlen. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von der Kommunikationskultur des jeweiligen Hauses und fehlenden oder kaum vorhandenen Regeln berichtet, wann man zum Beispiel zur E-Mail greift, Kollegen in cc (Kopie) setzt oder doch eher das Gespräch persönlich suchen sollte. Nicht selten erzählen Klienten auch von Situationen, in den sich Kollegen "hinter der E-Mail verstecken" und gar die Grundformen der konstruktiven Kommunikation dabei vernachlässigen. 

Ohne Frage. Elektronische Medien können unseren beruflichen Alltag enorm erleichtern. Doch sind sie in meinen Augen Fluch und Segen zugleich. Deshalb braucht es neben einer passenden Kommunikationskultur eine klare Auseinandersetzung mit dem Einsatz und Umgang mit den digitalen Medien.

 

 


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